Tausend stille Vögel

Der Kapellenweg Raron–Bürchen im Wallis, ein historisch bedeutender Kultur- und Pilgerweg, bildet den Schauplatz der Ausstellung "Im Atem der Stille". In jeder Kapelle begegnen die Wandernden ausgewählten Texten aus der Bibel sowie aus der Literatur von Rainer Maria Rilke, die den spirituellen Charakter des Ortes aufgreifen.

Künstler:innen aus dem Wallis und darüber hinaus reagieren auf diese Impulse und auf die jeweilige Kapelle selbst. Ihre Arbeiten – Malerei, Skulptur, Installation, Klang oder digitale Formate – entstehen im Dialog mit Architektur, Geschichte und Atmosphäre des Ortes.

So wird der Weg zu einem zusammenhängenden Erfahrungsraum: ein offenes Buch in der Landschaft, in dem sich Kunst, Natur und sakraler Raum verbinden und zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum berührt, ohne zu belehren.

Tausend stille Vögel, Februar 2026 Riccardo Francesco Troia

Fotografie 4:5 90cm x 112.5cm

In Anlehnung an Rilkes Panther, der hinter tausend Stäben kreist, bis irgendwann auch im Herzen hört auf zu sein, entwirft Riccardo Francesco Troia eine Bildsprache der gestohlenen Freiheit. Die tausend Vögel seiner Fotografien sind alle tot, ihre Seelen schwirren um den Käfig und erleben die endlich Freiheit, welche sie zu Lebzeiten nie kannten. Der Käfig kennt keinen ersten und keinen zehnten, kein Lebendes und kein Totes, keine Weite und keine Enge.

Wo Zitronen bluten.

In seiner Serie „Wo Zitronen bluten“ setzt sich Riccardo Troia mit Herkunft, Erinnerung und der Konstruktion von Identität auseinander. Ausgangspunkt des Projektes ist Sferracavallo, ein kleines Fischerdorf bei Palermo, der Heimatort seines Vaters und seiner Nonni, die in den 60er-Jahren aufgrund der ökonomischen Verhältnisse Siziliens in die Schweiz migrierten.

Aus seinen Archivbildern und neuen fotografischen Experimenten entwickelt Riccardo eine fragmentierte visuelle Erzählung. Eine Auseinandersetzung mit Erinnerungen, verwoben mit der sizilianischen Kultur, Landschaft und Küche.

Die Fotografien zeigen keine dokumentierte Realität, sondern eine subjektive, durch Erinnerungen und Projektionen geprägte Version davon. Es sind Momente, in denen Vergangenheit, persönliche Realität und Fiktion miteinander verschmelzen.

In „Wo Zitronen bluten“ untersucht Riccardo Identität als instabilen, sich permanent rekonstituierenden Prozess. Die Serie reflektiert eine fragile Identität, die sich im ständigen Wandel zwischen Herkunft und Gegenwart, zwischen Erinnerung und Projektion bewegt.

Ausstellung: www.kunsttank.ch
Ausgewählte Werke: www.troia.ch/wo-zitronen-bluten

eisenblut.

In seinem Fotobuch „Eisenblut" stellt Riccardo der eleganten, kommerziellen Vermarktung des Weins, der fertigen Flasche im Glanzlicht, die rohe, metallische Realität ihrer Entstehung gegenüber. Ausgangspunkt des Projektes ist die Produktion des Weinguts Mathier & Söhne in Salgesch: Tanks, Maschinen, Werkzeuge, Oberflächen von harter, industrieller Materialität, die dem Handwerk und der Traube vorausgehen, bevor daraus das verklärte, glänzende Endprodukt wird.

Betreut von Maxime Guyon.

EINBLICK

Fotografie und Design
Riccardo Francesco Troia

Kellerei
Albert Mathier & Fils AG

Dank
Aude Cina, Amédée Mathier

Supervision
Maxime Guyon
ECAL, 2025-2026

Swiss VOKUHILAS

Future Echoes

EXPOSITION

Fotos: Ariane Huegli